Buchempfehlung März 2018

„Serenade für Nadja“ von Zülfü Livaneli

Februar 2001. Die Literaturwissenschaftlerin Maya wartet am Flughafen Istanbul auf den Gast, den sie im Auftrag der Universität betreuen soll. Es handelt sich um Maximilian Wagner, der einige Jahre in Istanbul lebte und arbeitete. Er gehörte zu einer Gruppe Akademiker, die hierher ins Exil gegangen waren um den Nazi-Verfolgungen zu entgehen.
Von Anfang an spürt Maya eine geheimnisvolle Melancholie bei dem 87-jährigen deutschstämmigen Professor Wagner, der sich unter keinen Umständen von seinem mitgebrachten Geigenkasten trennen möchte. Ehe Wagner, nach seinem Vortrag an der Universität, zurückfliegt äußert er den Wunsch, zu einem bestimmten Badeort ans Schwarze Meer gebracht zu werden. Maya begleitet ihn.
Mit Ich-Erzählerin Maya erfahren wir nun nicht nur Wagners tragische Liebesgeschichte mit Nadja, sondern auch von historischen Verbrechen gegen die Menschlichkeit, die offiziell vertuscht werden.
Der Handlung liegt eine historische Begebenheit zugrunde: Der Untergang des Schiffes „Struma“ im Jahr 1942, bei dem 762 jüdische Flüchtlinge und die Besatzung ertranken.
Wir erfahren viel über weit zurückliegende politische Ereignisse in der Türkei und internationaler Verflechtungen. Gleichzeitig erleben wir die Alltagsprobleme einer modernen Türkin als alleinerziehende Mutter eines computersüchtigen Sohnes, berufstätig und ständig in Auseinandersetzung mit ihrem Exmann und ihrem Bruder.

Zülfü Livaneli wurde 1946 in der Türkei geboren. In den 70er Jahren war er wegen seiner politischen Anschauungen gezwungen, die Türkei zu verlassen, erst 1984 kehrte er zurück. Zülfü Livaneli ist einer der bekanntesten Künstler der Türkei, der mit seinen Liedern und Kinofilmen international große Erfolge feierte. Einige Jahre war er Mitglied des türkischen Parlaments, besonders setzte er sich für die türkisch-griechische Aussöhnung ein.

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