Buchempfehlung März 2019

„Ach, diese Lücke, diese entsetzliche Lücke“

ist der dritte Band der Familiensaga. In den ersten beiden Bänden erzählt der Autor vom Aufwachsen in einer psychiatrischen Klinik, in der sein Vater Direktor war und vom Austauschjahr in Amerika. Im dritten Band geht es um seine Zeit an der Schauspielschule in München, vor allem aber um seine geliebten, bürgerlichen Großeltern, bei denen er zu jener Zeit wohnte.

Meyerhoff will nach der Schule Zivildienst leisten und von Zuhause ausziehen, von Schleswig nach München. Aus einer Laune heraus bewirbt er sich an der Münchner Schauspielschule und wird zu seinem eigenen Erstaunen angenommen. Er zieht zu seinen Großeltern in eine großbürgerliche Villa nach Nymphenburg. Die Tage der Großeltern sind durch strikte Rituale, bei denen Alkohol eine nicht unwesentliche Rolle spielt, strukturiert. Die Großmutter musste die eigene Schauspielkarriere aufgeben, als sie 1946 überfahren und schwer verletzt wurde.

In der Schauspielschule hat Meyerhoff  Demütigungen, Unsicherheiten und Ängste durchzustehen. Während er auf der Bühne sein Innerstes nach außen kehren soll und dabei oft gnadenlos versagt, fühlt er sich bei seinen Großeltern immer wieder angenommen. So wird er zum Wanderer zwischen zwei Welten.

Meyerhoff musste schon früh den Tod seines Bruders und seines Vaters und später der Großeltern verkraften, die sicher alle Lücken in seinem Leben hinterließen. Dennoch glaube ich, dass sich der Titel des Buches auf das Nebensichstehen und den ständigen Zwang, sich selbst zu analysieren, bezieht.

Meyerhoffs Bücher sind autobiographisch. „Alle Toten fliegen hoch“ ist der erste Teil der Reihe. Der zweite Teil heißt „Wann wird es endlich wieder so, wie es nie war“. Jeder Band ist in sich abgeschlossen, sodass man die Teile nicht in Reihenfolge lesen muss.

Joachim Meyerhoff wurde 1967 in Homburg/Saar geboren und wuchs in Schleswig auf. Seit 2005 ist er Ensemblemitglied des Wiener Burgtheaters. 2007 wurde er zum Schauspieler des Jahres gewählt

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