Buchempfehlung Mai 2019

„Meine geniale Freundin“

Der Roman „Meine geniale Freundin“ spielt im Neapel der 1950er Jahre. Es ist der erste Teil eines vierbändigen Werkes, das die Nachkriegsjahre aus weiblicher Sicht beschreibt. Doch auch Männer haben in glanzvollen Nebenrollen ihren Platz.

In Ichform erzählt Elena von ihrer Freundschaft mit der Schustertochter Lila. Zwei Mädchen wie sie unterschiedlicher kaum sein können. Lila ist klein und dünn, doch zäh und hat vor nichts und niemand Angst. Elena ist eher ängstlich und zurückhaltend, aber sie lässt sich immer wieder von Lila mitreißen. Beide sind sehr intelligent und wetteifern in der Schule. Sie wachsen in einem Arbeitervorort der fünfziger Jahre auf, wo auf den Straßen derb geflucht wird, die Kinder verprügelt und Töchter an den solventesten Freier im Kiez verhökert werden. Aus dieser Situation wollen die Mädchen unbedingt entfliehen. Sie träumen vom besseren Leben und Reichtum, von Unabhängigkeit und Gleichberechtigung.

Es entwickelt sich eine innige, komplizierte Freundschaft, die auch durch Konkurrenz, Rivalität und Eifersucht geprägt ist. Während Elena, unterstützt und gefördert von ihrer Lehrerin, auf weiterführende Schulen geht, muss Lila in der väterlichen Schusterwerkstatt und im Haushalt helfen.

In der Pubertät hat Elena mit ihrer Pummeligkeit, heftiger Akne und einer Brille zu kämpfen, während Lila sich zu einer Schönheit entwickelt. Beide Mädchen wecken bald das Interesse der männlichen Jugend und es kommt zu ersten Annäherungen.

So gehen die Freundinnen verschiedene Wege um ihren Traum von Wohlstand und Anerkennung zu verwirklichen, eine über die Bildung und die andere über eine vorteilhafte Heirat.

In diesem Roman erfährt man viel über die italienische Geschichte. Die rivalisierenden Familien werden Haus für Haus geschichtsartig beschrieben. So entsteht ein sehr personenreicher Roman und es ist manchmal schwierig, einen Protagonisten der richtigen Familie zuzuordnen. Hilfreich ist dann die Aufstellung der Familien mit den dazugehörigen Personen am Anfang des Buches.

Elena Ferrante ist das Pseudonym einer italienischen Schriftstellerin, die sich unter Wahrung ihrer Anonymität seit den 1990er Jahren als Romanautorin einen Namen gemacht hat.

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