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Buchempfehlung April 2019

„Ostfriesenfeuer“

Klaus-Peter Wolf hat mit „Ostfriesenfeuer“ den achten Band aus der Reihe um Ann Kathrin Klaasen herausgegeben. Aber auch wenn man die Vorgeschichte nicht kennt, kann man der Handlung gut folgen. Ann Kathrin heiratet ihren Kollegen Frank Weller. Doch noch während die Hochzeitsfeier im kleinen Kreis am Osterfeuer ausklingen soll, geschieht ein Mord. Bevor die jung Verheirateten am nächsten Morgen in die ersehnten Flitterwochen starten können, entdeckt ein Kollege die Reste einer im Osterfeuer verbrannten menschlichen Leiche. Der Tote ist gerade identifiziert, da geschieht ein weiterer Mord. Ann Kathrin vermutet einen Zusammenhang.

Ein Serientäter inszeniert seine Verbrechen regelrecht. Doch was haben diese mit der psychisch labilen Ines zu tun, die sich erst vor kurzem das Leben nahm?

Der Autor beschreibt die Geschehnisse einerseits aus der Sicht der Ermittler, andererseits aber auch aus Sicht des Täters. Dadurch bekommt der Leser Einblick in die Gefühlswelt des Täters und kennt bereits sein Motiv, wenn die Ermittler noch im Dunkeln tappen. Mit Tiefgang und viel Liebe zum Detail werden Ermittlungen, Fortschritte und Rückschläge beschrieben.

In einem zweiten Handlungsstrang geschieht ein Unglück, dass alle Polizeibeamte erschüttert. Der Chef der Polizeidienststelle Ubbo Heide wird niedergestochen und kommt mit lebensgefährlichen Verletzungen auf die Intensivstation.

„Ostfriesenfeuer“ ist ein solider Krimi, der manchmal etwas langatmig und teilweise überzogen und skurill ist, aber durchaus spannend. Da die Szenen sehr bildhaft beschrieben werden, ist er nichts für zartbesaitete Gemüter.

Klaus-Peter Wolf wurde 1954 in Gelsenkirchen geboren. Er lebt als freier Schriftsteller in der ostfriesischen Stadt Norden. Seine Bücher wurden in 24 Sprachen übersetzt. Mehr als 60 seiner Drehbücher wurden verfilmt, darunter viele für „Tatort“ und „Polizeiruf 110“.

Buchempfehlung März 2019

„Ach, diese Lücke, diese entsetzliche Lücke“

ist der dritte Band der Familiensaga. In den ersten beiden Bänden erzählt der Autor vom Aufwachsen in einer psychiatrischen Klinik, in der sein Vater Direktor war und vom Austauschjahr in Amerika. Im dritten Band geht es um seine Zeit an der Schauspielschule in München, vor allem aber um seine geliebten, bürgerlichen Großeltern, bei denen er zu jener Zeit wohnte.

Meyerhoff will nach der Schule Zivildienst leisten und von Zuhause ausziehen, von Schleswig nach München. Aus einer Laune heraus bewirbt er sich an der Münchner Schauspielschule und wird zu seinem eigenen Erstaunen angenommen. Er zieht zu seinen Großeltern in eine großbürgerliche Villa nach Nymphenburg. Die Tage der Großeltern sind durch strikte Rituale, bei denen Alkohol eine nicht unwesentliche Rolle spielt, strukturiert. Die Großmutter musste die eigene Schauspielkarriere aufgeben, als sie 1946 überfahren und schwer verletzt wurde.

In der Schauspielschule hat Meyerhoff  Demütigungen, Unsicherheiten und Ängste durchzustehen. Während er auf der Bühne sein Innerstes nach außen kehren soll und dabei oft gnadenlos versagt, fühlt er sich bei seinen Großeltern immer wieder angenommen. So wird er zum Wanderer zwischen zwei Welten.

Meyerhoff musste schon früh den Tod seines Bruders und seines Vaters und später der Großeltern verkraften, die sicher alle Lücken in seinem Leben hinterließen. Dennoch glaube ich, dass sich der Titel des Buches auf das Nebensichstehen und den ständigen Zwang, sich selbst zu analysieren, bezieht.

Meyerhoffs Bücher sind autobiographisch. „Alle Toten fliegen hoch“ ist der erste Teil der Reihe. Der zweite Teil heißt „Wann wird es endlich wieder so, wie es nie war“. Jeder Band ist in sich abgeschlossen, sodass man die Teile nicht in Reihenfolge lesen muss.

Joachim Meyerhoff wurde 1967 in Homburg/Saar geboren und wuchs in Schleswig auf. Seit 2005 ist er Ensemblemitglied des Wiener Burgtheaters. 2007 wurde er zum Schauspieler des Jahres gewählt

Buchempfehlung Februar 2019

Wenn wir wieder leben

Der Roman „Wenn wir wieder leben“ basiert auf einem Stück der eigenen Familiengeschichte der Autorin und wird auf verschiedenen Zeitebenen durch zwei miteinander verbundene Handlungsstränge erzählt.

1960: Wanda lebt zusammen mit ihrer Mutter, ihrer Schwester und ihrer Tante in Westberlin. Sie führt ein wohlbehütetes Leben und will Lehrerin werden. Im Studium lernt sie Andras kennen, der politisch sehr engagiert ist. Andras weckt in ihr den Wunsch, ihre Herkunft zu hinterfragen, denn die Vergangenheit wird in Wandas Familie totgeschwiegen.

1927: Wir lernen Gundi kennen, ein Mädchen, das von der Mutter weggegeben und von dem geliebten Großvater in Danzig aufgezogen wird. Viele Wochenenden und alle Sommerferien verbringt Gundi in dem Ostseebad Zappot. Hier treffen sich die Reichen und Schönen, um die Freiheit und Lebensfreude zu genießen. Gundi liebt Zappot und die Musik. Zusammen mit Julius, Erik und Lore will sie hier ihre überschäumende Lebenslust genießen, musizieren und glücklich sein. Die Gruppe träumt von einer Karriere als Musiker, doch für den Durchbruch fehlt ihnen ein Lied, das zum Hit werden kann. So erfreuen sie weiterhin die Kurgäste in Zappot mit ihrer Tanzmusik.

Die Jahre vergehen und die Zeiten ändern sich. Wanda und ihre Freunde spielen inzwischen ihre Musik auf dem Luxusdampfer „Wilhelm Gustloff“ für Urlaubsreisende und befahren die Meere. Als sich der Krieg anbahnt, will sich die politisch unwissende und sorglose Gundi ihren Traum vom schönen unbeschwerten Leben nicht zerstören lassen und verschließt naiv die Augen vor der kommenden Gefahr. Auch für ihre Freunde ist es nicht leicht, sich politisch für eine Seite zu entscheiden. Sie müssen an ihre Familien aber auch an das eigene Überleben denken. Und es gestaltet sich als schwierige Gradwanderung, mitzumachen ohne dazuzugehören.

Charlotte Roth

Die Literaturwissenschaftlerin Charlotte Roth wurde 1965 geboren und lebt heute mit Mann und Kindern in Berlin. Seit zehn Jahren ist sie freiberuflich als Autorin tätig.

Buchempfehlung Januar 2019

OXEN – Das erste Opfer

„OXEN – Das erste Opfer“ ist der spannende Auftakt einer Trilogie, der Lust auf die zwei Folgebände macht. Im Mittelpunkt steht der Kriegsveteran Nils Oxen, der höchstdekorierte Soldat  in der Geschichte Dänemarks, der selbst auf die Auszeichnungen keinen Wert legt. Er ist einerseits der tapferste Kriegsheld der Nation, andererseits aber schwer traumatisiert durch seine Kriegserlebnisse. In seinen Albträumen verfolgen ihn immer wieder sieben Dämonen, die er durch Alkohol und Drogen abzuschütteln versucht. Menschenscheu geworden sucht er Zuflucht in der Natur und zieht sich in die Wälder Dänemarks zurück. Sein einziger Gefährte ist Mr. White, sein Hund, der ihm Trost spendet und wachsam ist. Doch auch in seinem Waldlager findet Oxen nicht die gesuchte Einsamkeit und wird in einen mysteriösen Todesfall verwickelt. Bald steht er unter Mordverdacht, gerät ins Visier der Geheimdienste und wird gezwungen, selbst zu ermitteln, um seinen Kopf aus der Schlinge zu ziehen. Er arbeitet zusammen mit Margarethe Franck vom Inlandsnachrichtendienst, die gleichzeitig den Auftrag hat, Oxen zu überwachen und möglichst viel über ihn heraus zu finden. Die Ermittlungen führen in die höchsten Regierungskreise und es wird ein Wettlauf mit der Zeit, denn schon bald gibt es weitere Leichen. Alles deutet auf die Organisation „Danehof“ hin, ein Geheimbund mit Wurzeln im Mittelalter und Brutstätte dunkler Machenschaften.

„Das erste Opfer“ ist eine faszinierende Geschichte mit nicht immer gradlinig verlaufender Trennlinie zwischen Freund und Feind, sprachlich und thematisch packend und detailreich konstruiert und fesselnd und flüssig geschrieben.

Obwohl die Story in sich abgeschlossen ist, bleiben einige offene Fragen, deren Beantwortung man sich in den Folgebänden erhofft.

Jens Henrik Jensen wurde 1963 in Dänemark geboren. Er arbeitete 25 Jahre als Journalist. Für eine dänische Tageszeitung war er als Redakteur und Ressortleiter tätig. Zu seinem Lebenslauf gehören mehrere Weltreisen durch Südamerika, Russland und den Balkan. Seit 2015 widmet er sich ausschließlich dem Schreiben von Büchern. 2017 gewann er den Danish Crime Award. Jensen ist verheiratet, hat zwei Söhne und lebt in Esbjerg an der dänischen Nordseeküste.

Buchempfehlung Dezember 2018

„Das Fest der kleinen Wunder“

Wir befinden uns in der Vorweihnachtszeit des Jahres 1925 in Ostpreußen. Die 16-jährigeFrederike, genannt Freddy, lebt gemeinsam mit ihrer Mutter, ihrem Stiefvater und ihren Halbgeschwistern auf dem Gut Fennhusen. Ihre Mutter ist in dritterEhe mit Erik verheiratet, dem das Gut gehört. Es ist Frederikes letztes Jahr auf  Fennhusen, denn sie besucht im nächsten Jahr die höhere Töchterschule. Umso mehr genießt sie die unbeschwerte und behütete Kindheit und reitet gern mit ihrem geliebten Pony Glumse aus. IhrLieblingspferd allerdings ist Caramell, das ihrer Mutter gehört. Caramell ist für Frederike die letzte Verbindung zu ihrem verstorbenen leiblichen Vater. Dadas Pferd bockig ist und sich kaum noch reiten lässt, soll es an das Nachbar gutverkauft werden. Das will Frederike unbedingt verhindern.

Frederike kümmert sich fürsorglich um ihre Geschwister. Ihr Bruder ist technisch sehr interessiert und versucht seinen Wissensdrang zu befriedigen, dabei setzt er sich gern über Verbote hinweg.

Der Mittelpunkt des Hauses ist die heimelige Küche. Köchin Schneider zaubert schmackhafte Köstlichkeiten, verwöhnt die Kinder mit Leckereien und spricht-sehr authentisch – ostpreußischen Dialekt. Einfühlsam wird das Zusammenleben von Herrschaft und Bediensteten beschrieben, die alle hart arbeiten, aber auch feiern können.

Der Roman ist sehr unterhaltsam, Land und Leute werden liebevoll dargestellt. Der Schreibstil ist flüssig und bildhaft, der eingestreute ostpreußische Dialekt verführt zum Schmunzeln.

Ulrike Renk nimmt mit diesem Roman Bezug auf Band 1 ihrer Ostpreußensaga. Es handelt sich bei „Das Fest der kleinen Wunder“ um eine ergänzende, in sich abgeschlosseneVorgeschichte, die sich nicht chronologisch einordnen lässt.

Ulrike Renk

wurde 1967 in Detmold geboren, zog dann mit Eltern und Bruder nach Dortmund. Nach einemStudienaufenthalt in den USA absolvierte sie ein Studium der Anglistik,Literaturwissenschaften und Soziologie in Aachen. Sie ist verheiratet, Mutter von vier Kindern, lebt heute in Krefeld am Niederrhein und arbeitet als freie Autorin.

Buchempfehlung November 2018

„Monsieur Thomas und das Geschenk der Liebe“ von Gilles Legardinier

Thomas Sellac ist Arzt und verlässt als junger Mann seine Heimatstadt Paris und seine Freundin, um die Ärmsten der Welt ärztlich zu versorgen. In den letzten acht Jahren lebte er in einem kleinen Bergdorf in Kaschmir (Indien) und fand dort neue Freunde, ja fast einen Familienersatz. Als Thomas erfährt, dass er eine zwanzigjährige Tochter hat, zieht es ihn in seine alte Heimat zurück. Er will unbedingt seine Tochter Emma kennenlernen und fragt sich, wie sie lebt und ob sie ihn je vermisst hat. Um in ihre Nähe zu kommen, nimmt er eine Stelle als Direktor in einem sehr merkwürdigen Seniorenheim an. Dort gibt es fünf eigenwillige Bewohner und die liebenswerte Schwester Pauline, die sich um alles kümmert. Die einzelnen Charaktere werden sehr liebevoll und warmherzig beschrieben. Die kleinen Zickigkeiten, mit denen sich die Senioren immer wieder gegenseitig aufziehen, werden sehr unterhaltsam und humorvoll dargestellt. Thomas leitet das Heim sehr einfühlsam und gibt bereitwillig alles, um Gutes zu tun. Im Gegenzug bringen ihm die Senioren so manche Lebensweisheit bei.

Das Hauptthema des Buches ist aber die Beziehung zwischen Vater und Tochter. Thomas versucht auf recht merkwürdige Weise, seiner Tochter näher zu kommen. Anstatt den direkten Kontakt mit ihr aufzunehmen, beobachtet er sie permanent. Dieses stalkinghafte Verhalten wirkt dann auch manchmal unglaubwürdig und unrealistisch, aber es wird mit viel Gefühl und Herzlichkeit erzählt.

Dieser Wohlfühlroman ist ein wirkungsvolles Mittel gegen den Novemberblues.

Gilles Legardinier wurde 1965 geboren und begann nach nicht bestandenem Abitur seine Karriere in derFilmindustrie. Heute bezeichnet er sich als französischer Schriftsteller und hat schon mehrere Bestseller-Romane veröffentlicht. Seine Arbeiten wurden bereits in zwanzig Sprachen übersetzt.

Buchempfehlung Oktober 2018

„Als die Tage nach Zimt schmeckten“ von Donia Bijan

In diesem Roman wird anhand der Familiengeschichte des Iraners Zod der Wandel in der persischen Kultur in den vergangenen etwa 100 Jahren geschildert. Zods Eltern fliehen vor den Bolschewiken aus Russland nach Teheran und bauen sich dort mit dem „Café Leila“ eine neue Existenz auf. Das Café bietet eine exklusive persische Küche und entwickelt sich zum Zufluchtspunkt für viele Iraner. Es wird zum Mittelpunkt von Zods Leben und seiner Familie. Auch zu Zeiten der Monarchie und der islamischen Republik führt Zod das Café weiter.
Der politische und religiöse Wandel hält einen harten Schicksalsschlag für Zod bereit und er sieht sich gezwungen, seinen Sohn und seine Tochter Noor ins sichere Exil nach Amerika zu schicken. Dort lässt Noor sich zur Krankenschwester ausbilden, heiratet einen Herzchirurgen und bekommt eine Tochter.
30 Jahre später verlässt Noor kurz entschlossen ihren Ehemann, der sie betrogen hat, und reist zusammen mit ihrer pubertierenden Tochter Lily zu ihrem kranken Vater Zod zurück. Lily will nicht nach Teheran und macht es ihrer Mutter schwer. In Freiheit aufgewachsen ist die fremde Kultur, wo Frauen keine Rechte haben, ein Schock für sie.

Die Verknüpfung von Hintergrundinformationen über Land und Kultur und unterhaltsamer, anrührender Familiengeschichte ist der Autorin gut gelungen. Der Roman wird in einer schönen Sprache gefühlvoll und lebendig erzählt.

Donia Bijan ist eine iranische Autorin. Als 16-jährige kam sie mit ihren Eltern aus dem Iran in die USA. Dort studierte sie französische Literatur an der UC Berkeley.
Später besuchte sie die Kochschule „Le Cordon Bleu“ in Paris.Heute lebt Donia Bijan in San Francisco, führt ein eigenes Restaurant und schreibt Bücher.

Buchempfehlung September 2018

„Letzter Tanz“ von Jeffery Deaver

„Letzter Tanz“ ist nach „Der Knochenjäger“ der zweite Fall für den querschnittsgelähmten Spezialisten für forensische Analytik Lincoln Rhyme, der als Berater für das New York Police Department tätig ist, und seiner körperlich gesunden Assistentin, der Polizistin Amelia Sachs.
Der millionenschwere Waffenhändler Hansen hat bemerkt, dass der Staat New York ihm auf den Fersen ist und entsorgt belastendes Beweismaterial. Dabei wird er von drei Menschen beobachtet, die ihn mit ihren Aussagen für immer hinter Gitter bringen können. Hansen heuert einen Killer an, der diese Zeugen zum Schweigen bringen soll. Der „Totentänzer“ ist ein berüchtigter Auftragskiller, der niemals Spuren zu hinterlassen scheint. Als einer der Zeugen bei einem Bombenanschlag auf ein Flugzeug ums Leben kommt, nimmt das FBI die anderen zwei in Schutzhaft.
Obwohl Rhyme seit einem Unfall, bei dem er sich die Wirbelsäule brach, vom Hals abwärts gelähmt ist, gelingt es ihm, einen Tatort so zu entschlüsseln, die Rückstände eines Bombenanschlags so zu deuten oder eine Handvoll Dreck so zu identifizieren, dass er dem Killer auf die Spur kommt. Rhyme und Sachs bemühen sich nun, die zwei Zeugen am Leben zu halten, damit sie ihre Aussagen gegen Hansen machen können. Zur Verdeutlichung des Countdowns steht zu Beginn jedes Kapitels die Zahl der verrinnenden Stunden bis zur angesetzten Gerichtsverhandlung.
Der Autor lässt den Leser immer wieder an den Gedankengängen des Täters teilhaben und die Spannung wird durchgehend gehalten. Das liegt auch daran, dass es immer wieder unvorhersehbare Wandlungen gibt, die noch einmal alles auf den Kopf stellen.

Wer spannende Unterhaltung ohne großen literarischen Anspruch mag, wird hier sehr gut bedient. Der Thriller erschien erstmals 1998 und wurde nun nach 20 Jahren 2018 neu aufgelegt.

Jeffery Deaver wurde am 06.05.1950 in der Nähe von Chicago geboren. Er verfasste sein erstes Buch mit 11 Jahren. Nachdem er den Bachelor of Journalism an der Universität von Missouri gemacht hatte, arbeitete Deaver als Zeitungsautor. Nach einer weiteren Ausbildung an der Fordham Law School war er einige Jahre als Rechtsanwalt für eine große Firma an der Wall Street tätig. Seit 1990 widmet er sich ausschließlich dem Schreiben. Jeffery Deaver ist geschieden und hat keine Kinder. Er lebt abwechselnd in North Carolina und Kalifornien.

Buchempfehlung August 2018

„Die Eismacher“ von Ernest van der Kwast

Im Norden Italiens, mitten in den Dolomiten, liegt das Tal der Eismacher, in dem sich die Einwohner seit Generationen auf die Herstellung von Speiseeis spezialisiert haben. Jedes Jahr im Frühling siedelt die Familie Talamini nach Rotterdam über, wo sie während der Sommermonate ein kleines Eiscafé betreiben.
Gegen den Willen seiner Eltern beschließt der ältere Sohn Giovanni mit der Familientradition zu brechen und widmet sein Leben der Literatur. Das Eiscafé übernimmt sein Bruder Luca, der inzwischen mit Sophia verheiratet ist, in die beide Brüder einst unsterblich verliebt waren.
Geschickt abwechselnd in der Gegenwart und in Rückblicken erzählt, beschreibt der Autor die familiären Entwicklungen, das Ringen zwischen Tradition, Berufung und Verantwortung, die Beziehung zwischen Eltern und Söhnen sowie die lebenslange Konkurrenz zwischen den beiden Brüdern. In diesem Buch werden sehr einfühlsam die Generationskonflikte und die verloren gegangenen Werte von Freundschaft, Heimat und Familie geschildert.
Lyrik und Eis werden in diesem Roman thematisch miteinander verbunden. Die beschriebenen Eiskompositionen lassen uns den Geschmack auf der Zunge spüren und die zitierten Gedichte sind immer auch ein Spiegel für die Gefühle der beiden Brüder.

Stellenweise erscheint der Text etwas langatmig. Es ist eine Geschichte mit der man Geduld haben muss, die sich langsam entwickelt. Es lohnt sich auf jeden Fall.

Ernest van der Kwast ist ein niederländischer Autor und Journalist. Er ist am 1.1.1981 in Bombay (Indien) als Sohn einer indischen Mutter und eines niederländischen Vaters geboren. Die Familie zog in seiner Jugend in die Niederlande. Dort studierte er Wirtschaftswissenschaften, arbeitete als Chefredakteur einer Literaturzeitschrift und organisierte literarische Events. Heute lebt er mit seiner Lebensgefährtin und zwei Kindern in Amsterdam.

Buchempfehlung Juli 2018

„Mademoiselle Coco und der Duft der Liebe“ von Michelle Marly

„Ich bereue nichts im Leben – außer dem, was ich nicht getan habe.“ (Coco Chanel)

Der Roman erzählt von der Entstehung des berühmten Parfums Chanel No.5 von Gabrielle „Coco“ Chanel im Jahr 1919 in Paris. Es ist die interessante Geschichte um eine der faszinierenden Frauen der Zwanziger Jahre. Coco war zur damaligen Zeit eine einzigartige und selbstbewusste Frau mit Geschmack für Mode und eigenem Stil.
Coco, die aus ärmlichen Verhältnissen stammt, hat es geschafft, sich einen Namen als Modeschöpferin zu erwerben. Dann verliert sie unter tragischen Umständen ihren Geliebten, Arthur „Boy“ Chapel. Sie ist von ihrer Trauer überwältigt. Erst der Gedanke, ihre Liebe zu ihm in einem Parfum auszudrücken, gibt ihrem Leben wieder einen Sinn. Auf der Suche nach dem besonderen Parfum als flüchtiges Denkmal der Liebe setzt sich Coco mit der Kreation eines Duftes auseinander, das am russischen Zarenhof verwendet wurde und inzwischen nicht mehr hergestellt wird. Das Buch lässt viele Prominente des Paris der Zwanziger Jahre auftreten. Coco lernt sowohl russische Adlige kennen, die nach der russischen Revolution nach Paris emigriert sind, als auch Künstler wie Pablo Picasso und Igor Strawinsky.
So bringt uns die Autorin die Entstehungsgeschichte  des Parfums Chanel No.5 näher, aber es werden auch persönliche Hintergründe und Erlebnisse aus Cocos Leben erläutert. Dadurch gelingt Ihr eine gute Mischung aus sachlichen Informationen und fiktiven Elementen.

Marly erzählt unaufgeregt spannend und es fühlt sich gut recherchiert an. Die Sprache ist einfach zu lesen, der Schreibstil ist flüssig.

Michelle Marly ist eine deutsche Bestsellerautorin, die in der Welt des Kinos und der Musik aufwuchs. Ihre Mutter war in den 1950ern ein bekanntes Mannequin. Michelle Marly wohnte lange in Paris und lebt heute in Berlin und München.