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Buchempfehlung Juni 2019

Nächte, in denen Sturm aufzieht

Liza flieht mit ihrer Tochter Hannah vor ihrer Vergangenheit aus England zu ihrer Tante Kathleen nach Silver Bay an die Küste Australiens. Kathleen führt hier ein kleines, bereits in die Jahre gekommenes Hotel, das nicht mehr so gut läuft. Doch genau hier findet die oft traurige und verschlossene Liza Zuflucht. Ein Geheimnis aus ihrer Vergangenheit hat ihr Wesen verändert. Liza fährt täglich mit dem Boot raus auf´s Meer und bietet für die wenigen Touristen Wal- und Delfinbeobachtungstouren an. Diese Beobachtungstouren sind die  größte Einnahmequelle der Bewohner der kleinen Bucht. Sehr einfühlsam wird das Leben in Silver Bay beschrieben. Hier gehen die Uhren noch anders. Es ist ein ruhiger Ort mit unberührten Stränden in einer naturbelassenen Gegend und der Zusammenhalt der kleinen Gemeinde ist groß.

Interessante Hintergrundinformationen gibt es zu den großen Meeressäugern und das Thema Natur- und Tierschutz kommt nicht zu kurz.

Doch diese beschauliche Idylle gerät plötzlich in Gefahr. Der Workaholic Mike Dormer fliegt von London nach Australien, um sich die genaue Lage von Silver Bay anzusehen. Hier plant die Firma seines zukünftigen Schwiegervaters den Bau eines großen Luxushotels mit Wassersportanlage. Das wollen die Einheimischen verhindern.

Die Autorin lässt in jedem Kapitel einen anderen der Hauptprotagonisten die Geschichte aus seiner Sicht in Ich-Form erzählen. So lernt man auch die Gedanken eines jeden kennen und erhält unterschiedliche Sichtweisen. Jojo Moyes schreibt bildhaft und lebendig allerdings mit wenigen Überraschungen. Vieles ist vorhersehbar. Bei diesem Roman handelt es sich um ein frühes Werk der Autorin, das im Jahr 2008 unter dem Titel „Dem Himmel so nah“ erschienen ist und jetzt neu verlegt wurde. 

Jojo Moyes wurde 1969 geboren, hat Journalistik studiert und für die „Sunday Morning Post“ in Hongkong und den „Independent“ in London gearbeitet. Der Roman „Ein ganzes halbes Jahr“ machte sie international zur Bestsellerautorin. Sie lebt mit ihrem Mann und ihren drei Kindern auf dem Land in Essex.

Buchempfehlung Mai 2019

„Meine geniale Freundin“

Der Roman „Meine geniale Freundin“ spielt im Neapel der 1950er Jahre. Es ist der erste Teil eines vierbändigen Werkes, das die Nachkriegsjahre aus weiblicher Sicht beschreibt. Doch auch Männer haben in glanzvollen Nebenrollen ihren Platz.

In Ichform erzählt Elena von ihrer Freundschaft mit der Schustertochter Lila. Zwei Mädchen wie sie unterschiedlicher kaum sein können. Lila ist klein und dünn, doch zäh und hat vor nichts und niemand Angst. Elena ist eher ängstlich und zurückhaltend, aber sie lässt sich immer wieder von Lila mitreißen. Beide sind sehr intelligent und wetteifern in der Schule. Sie wachsen in einem Arbeitervorort der fünfziger Jahre auf, wo auf den Straßen derb geflucht wird, die Kinder verprügelt und Töchter an den solventesten Freier im Kiez verhökert werden. Aus dieser Situation wollen die Mädchen unbedingt entfliehen. Sie träumen vom besseren Leben und Reichtum, von Unabhängigkeit und Gleichberechtigung.

Es entwickelt sich eine innige, komplizierte Freundschaft, die auch durch Konkurrenz, Rivalität und Eifersucht geprägt ist. Während Elena, unterstützt und gefördert von ihrer Lehrerin, auf weiterführende Schulen geht, muss Lila in der väterlichen Schusterwerkstatt und im Haushalt helfen.

In der Pubertät hat Elena mit ihrer Pummeligkeit, heftiger Akne und einer Brille zu kämpfen, während Lila sich zu einer Schönheit entwickelt. Beide Mädchen wecken bald das Interesse der männlichen Jugend und es kommt zu ersten Annäherungen.

So gehen die Freundinnen verschiedene Wege um ihren Traum von Wohlstand und Anerkennung zu verwirklichen, eine über die Bildung und die andere über eine vorteilhafte Heirat.

In diesem Roman erfährt man viel über die italienische Geschichte. Die rivalisierenden Familien werden Haus für Haus geschichtsartig beschrieben. So entsteht ein sehr personenreicher Roman und es ist manchmal schwierig, einen Protagonisten der richtigen Familie zuzuordnen. Hilfreich ist dann die Aufstellung der Familien mit den dazugehörigen Personen am Anfang des Buches.

Elena Ferrante ist das Pseudonym einer italienischen Schriftstellerin, die sich unter Wahrung ihrer Anonymität seit den 1990er Jahren als Romanautorin einen Namen gemacht hat.

Buchempfehlung April 2019

„Ostfriesenfeuer“

Klaus-Peter Wolf hat mit „Ostfriesenfeuer“ den achten Band aus der Reihe um Ann Kathrin Klaasen herausgegeben. Aber auch wenn man die Vorgeschichte nicht kennt, kann man der Handlung gut folgen. Ann Kathrin heiratet ihren Kollegen Frank Weller. Doch noch während die Hochzeitsfeier im kleinen Kreis am Osterfeuer ausklingen soll, geschieht ein Mord. Bevor die jung Verheirateten am nächsten Morgen in die ersehnten Flitterwochen starten können, entdeckt ein Kollege die Reste einer im Osterfeuer verbrannten menschlichen Leiche. Der Tote ist gerade identifiziert, da geschieht ein weiterer Mord. Ann Kathrin vermutet einen Zusammenhang.

Ein Serientäter inszeniert seine Verbrechen regelrecht. Doch was haben diese mit der psychisch labilen Ines zu tun, die sich erst vor kurzem das Leben nahm?

Der Autor beschreibt die Geschehnisse einerseits aus der Sicht der Ermittler, andererseits aber auch aus Sicht des Täters. Dadurch bekommt der Leser Einblick in die Gefühlswelt des Täters und kennt bereits sein Motiv, wenn die Ermittler noch im Dunkeln tappen. Mit Tiefgang und viel Liebe zum Detail werden Ermittlungen, Fortschritte und Rückschläge beschrieben.

In einem zweiten Handlungsstrang geschieht ein Unglück, dass alle Polizeibeamte erschüttert. Der Chef der Polizeidienststelle Ubbo Heide wird niedergestochen und kommt mit lebensgefährlichen Verletzungen auf die Intensivstation.

„Ostfriesenfeuer“ ist ein solider Krimi, der manchmal etwas langatmig und teilweise überzogen und skurill ist, aber durchaus spannend. Da die Szenen sehr bildhaft beschrieben werden, ist er nichts für zartbesaitete Gemüter.

Klaus-Peter Wolf wurde 1954 in Gelsenkirchen geboren. Er lebt als freier Schriftsteller in der ostfriesischen Stadt Norden. Seine Bücher wurden in 24 Sprachen übersetzt. Mehr als 60 seiner Drehbücher wurden verfilmt, darunter viele für „Tatort“ und „Polizeiruf 110“.